EMHA lanciert neues Migräne-Scoring-System – Ein Durchbruch für die Kommunikation zwischen Migränepatienten und Ärzten.

Die EMHA (European Migraine & Headache Alliance) hat am European Headache Congress in Lissabon ihr neues
Migräne-Scoring-System vorgestellt. Das innovative Tool wurde gemeinsam mit Patienten/-innen und Experten/-innen entwickelt. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen Betroffenen und medizinischem Fachpersonal zu verbessern und die Stigmatisierung rund um Migräne zu reduzieren.

Warum ein neues Bewertungssystem notwendig ist

Migräne ist eine der meist unterschätzten neurologischen Erkrankungen. Millionen Menschen sind betroffen, doch die Erkrankung bleibt häufig eine unsichtbare Belastung, die von Gesellschaft und Gesundheitssystem oft nicht ernst genommen wird. Traditionelle Bewertungsskalen erfassen meist nur einzelne Aspekte und spiegeln nicht die volle Realität wider, die Betroffene tagtäglich erleben.

Das neue EMHA Scoring-System setzt genau hier an: Es betrachtet Migräne ganzheitlich und rückt die individuelle Belastung stärker in den Mittelpunkt. So entsteht eine gemeinsame, verständliche Sprache zwischen Patienten/-innen und Ärzten/-innen.

Was das neue Scoring-System misst

Das System hilft dabei, vier wesentliche Aspekte der Migräne systematisch zu erfassen:

  • Häufigkeit der Kopfschmerz- bzw. Migränetage pro Monat
  • Wirksamkeit der Akutmedikation
  • Intensität der Schmerzen während der Attacken
  • Gesamtbelastung und Auswirkungen auf den Alltag

Damit entsteht ein klareres Bild über den Verlauf und die tatsächliche Belastung durch Migräne.

Wie funktioniert das EMHA Scoring-System?

Das Scoring-System basiert auf einem kurzen Fragenkatalog, den Betroffene selbst ausfüllen. Ein Algorithmus ordnet die Antworten einer von vier Schweregraden zu. So erhalten Patienten/-innen eine verständliche Einschätzung ihrer Migränebelastung – als Grundlage für ein verbessertes Gespräch mit medizinischem Fachpersonal.

Warum das Scoring-System kein Instrument zur Selbstdiagnose ist

Trotz seiner einfachen Anwendung ist das EMHA Scoring-System kein Diagnosewerkzeug. Es ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine fachliche Einschätzung.

Wichtig zu wissen:

  • Es bestätigt keine Migränediagnose.
    Das Tool gibt keine Auskunft darüber, ob Sie tatsächlich an Migräne leiden.
  • Es empfiehlt keine Medikamente oder Behandlungen.
    Der Score zeigt nicht, welche Therapie nötig wäre oder welche Medikamente sinnvoll sein könnten.
  • Es ergänzt ärztlichen Rat – es ersetzt ihn nicht.
    Das Tool soll Gespräche unterstützen, nicht medizinische Entscheidungen vorgeben.
  • Es schafft eine gemeinsame Basis für datenbasierte Gespräche.
    Anstatt Diagnosen zu stellen, hilft es Ihnen und Ihrem Arzt, Symptome, Belastung und Krankheitsverlauf besser zu verstehen.

Experteneinschätzung: Dr. med. Reto Agosti

Am European Headache Congress in Lissabon sprach Dr. med. Reto Agosti, Leiter des Kopfwehzentrums Hirslanden, über das neue Tool und seine Bedeutung für die klinische Praxis. Hören Sie seine Einschätzungen im Video.