Neurologische Sprechstunde

Insgesamt lassen sich heute über 200 verschiedene Kopfschmerzformen unterscheiden, die in der Klassifikation der Die Multiple Sklerose (MS) ist in unseren Breiten bei junger Erwachsenen die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems. Es handelt sich um eine chronische Entzündungserkrankung, bei der sich das Immunsystem gegen die eigenen Nervenzellen und ihre Ummantelung richtet. In den meisten Fällen ist sie durch akute Krankheitsschübe gekennzeichnet, die sich oft spontan wieder weitgehend zurückbilden. Unbehandelt kommt es bei der Mehrzahl der Patienten zu weiteren Schüben, denen sich dann oft eine langsame Krankheitsprogression anschließt. Nur bei weniger als 15% der Patienten beginnt die Erkrankung primär fortschreitend.

Typische Symptome umfassen Sensibilitätsstörungen an den Extremitäten, akutes Verschwommensehen auf einem Auge aufgrund von Entzündungen des Sehnervs und motorische Symptome wie Gangstörungen. Auch Blasenstörungen oder Störungen der Konzentration sind möglich. Charakteristisch ist eine sehr leichte Ermüdbarkeit der Patienten („chronic fatigue“) und eine Verschlechterung der Symptome bei Hitze.

Die Diagnosestellung beruht auf dem Nachweis entzündlicher Herde an mehreren Stellen des zentralen Nervensystems (Hirn und Rückenmark), die sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten ereignet haben. Schon beim ersten Krankheitsschub ist eine Therapie sinnvoll. Wichtig sind somit eine möglichst frühe Diagnosestellung und ein rascher Behandlungsbeginn. Inzwischen gibt es eine Reihe von Medikamenten, die das Immunsystem modulieren und weiteren Schüben vorbeugen.

Die Parkinson´sche Erkrankung beruht auf einer Degeneration von Dopamin produzierenden Zellen im Mittelhirn und ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters, kann aber selten auch bei Patienten in jugendlichem Alter auftreten. Die Symptome bestehen aus einer progredienten Minderbeweglichkeit der Gliedmaßen und des Rumpfes (Hypokinese), einer charakteristisch erhöhten Muskelspannung (Rigor) und einem grobschlägigen Zittern in Ruhe (Tremor), wobei typischerweise eine Körperhälfte zunächst deutlich mehr betroffen ist.

Schon in der Frühphase der Erkrankung treten bereits nicht-motorische Symptome wie Schlafstörungen mit Alpträumen und fortschreitender Verlust des Geruchssinnes auf.
In späten Phasen können psychische Störungen wie vermehrte Impulsivität, autonome Störungen wie Blasenfunktionsstörungen oder eine Demenz auftreten. Während sich die Parkinson´sche Erkrankung über viele Jahre mit Medikamenten oder auch Neurostimulation oft recht gut behandeln lässt, müssen andere Erkrankungen, die zu einem zunächst ähnlichen klinischen Erscheinungsbild führen können, abgegrenzt werden.

Unter einer Demenz versteht man den Verlust bereits erworbener intellektueller Fähigkeiten. Oft ist das Gedächtnis als erstes betroffen, aber auch sogenannte Exekutivfunktionen, wie Planen, Urteilsfähigkeit und Problemlösen können im Vordergrund der Symptome sein. Entsprechend unterschiedlich können die Beschwerden der Betroffenen oder ihrer Angehörigen sein. Das Spektrum kann von der Vorstufe einer milden kognitiven Beeinträchtigung mit im Alltag kaum wahrnehmbaren Defiziten bis hin zu vollkommener Hilflosigkeit und Pflegebedürftigkeit reichen. Die häufigsten Demenzursachen bestehen in degenerativen Prozessen wie der Alzheimerschen Erkrankung oder in Gefäßverkalkungen der hirneigenen Arterien. Sie nehmen mit steigendem Lebensalter zu und sind somit in einer älter werdenden Gesellschaft ein zunehmendes medizinisches wie soziales Problem.

Da auch eine Vielzahl von Stoffwechselerkrankungen oder Entzündungen zu einer teils gut behandelbaren Demenz führen kann und auch die Abgrenzung gegenüber einer Depression („Pseudo-Demenz“) nicht immer einfach ist, ist eine sorgfältige Diagnostik, zumeist mit Bildgebung des Hirns, Blutuntersuchungen und neuropsychologischen Tests erforderlich, um eine möglichst genaue Diagnose zu stellen.

Zu einem Hirnschlag (Stroke) oder Schlaganfall kommt es aufgrund einer akuten Durchblutungsstörung des Gehirns. Ursachen sind üblicherweise eine Gefässverkalkung oder Blutgerinnsel aus dem Herzen. Aufgrund der weitverbreiteten Risikofaktoren (hoher Blutdruck, hohe Blutfette, hoher Blutzucker, Rauchen, Bewegungsmangel) kommt es meistens erst im höheren Lebensalter zu Schlaganfällen, die die häufigste Ursache bleibender Behinderungen sind. Aber auch junge Menschen können, z.B. aufgrund von Herzfehlern, Verletzungen der hirnzuführenden Schlagadern oder seltener genetischer Erkrankungen Opfer von Schlaganfällen werden.

Leitsymptom ist das plötzliche Einsetzen einer meist halbseitigen Lähmung oder Gefühlsstörungen, seltener auch isolierte Sehstörungen, Schwindel und Ausfälle im Gesichtsbereich. Ein Schlaganfall ist ähnlich wie ein Herzinfarkt ein medizinischer Notfall (auch wenn meistens keine Schmerzen bestehen oder Symptome sich zurückbilden) und erfordert die umgehende Alarmierung des Rettungsdienstes. Zum Ausschluss einer Hirnblutung ist immer eine Computertomograhie erforderlich. Spezialisierte Behandlungszentren („Stroke Units“) versuchen die Hirndurchblutung möglichst rasch (innerhalb weniger Stunden, jede Minute zählt!) wieder herzustellen oder das Ausmass des Schadens zu begrenzen. Danach muss oft eine Rehabilitationsbehandlung in einer speziellen Einrichtung angeschlossen werden, die u.a. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie neuropsychologisches Training und Massnahmen zur Wiedereingliederung und Vermeidung erneuter Schlaganfälle beinhaltet. Folgezustände nach Schlaganfällen umfassen chronische Lähmungen und Behinderungen, Schmerzen und epileptische Anfälle.

Eine Vorbeugung von Schlaganfällen ist in erster Linie durch frühzeitige Kontrolle der oben genannten Risikofaktoren möglich und sollte möglichst schon im jugendlichen Alter beginnen. Migränepatienten haben ein geringfügig erhöhtes Schlaganfallsrisiko, wobei aber die häufigen Auren praktisch nie zu bleibenden Schäden führen. Allerdings ist beim erstmaligen Auftreten einer Migräneaura die Abgrenzung zu Schlaganfällen gelegentlich schwierig.

Handeln Sie sofort!
Wenn aufgrund der Symptome ein Hirnschlag oder eine Streifung vermutet wird, sollten Sie unverzüglich das nächstgelegene Stroke Center aufsuchen oder notfallmässig die Rettung (Tel. 144) alarmieren.

Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu überschiessenden elektrischen Entladungen großer Nervenzellverbände im Gehirn. Je nach betroffener Hirnregion können die Symptome aus motorischen Symptomen wie Muskelkrämpfen oder -zuckungen, sensiblen Störungen wie Kribbeln oder auch Störungen der höheren Hirnfunktionen wie Sprachstörungen bestehen. Auch autonome Symptome wie Speichelfluss oder Einnässen, aber auch Herzrhythmusstörungen sind nicht selten. Sind größere Hirngebiete betroffen kommt es zur Bewusstseinstrübung oder auch plötzlichem völligem Bewusstseinsverlust und hierdurch u.a. zu Stürzen oder Unfällen.

Im Prinzip kann jedes Hirn durch Provokationsfaktoren wie Alkohol(entzug), Medikamente oder hohes Fieber, aber auch durch Schädigungen aller Art (u.a. Schädelhirntrauma, Schlaganfall, Hirnentzündung, Unterzuckerung) einen epileptischen Anfall erleiden. Besteht dauerhaft eine erhöhte Anfallsbereitschaft, spricht man von einer Epilepsie, welche nicht selten genetische Ursachen aufweisen kann. Circa 2/3 der Patienten könne nach geeigneter Diagnostik mit Medikamenten Anfallsfreiheit erzielen. Ein Teil de Patienten kann sogar durch eine Hirnoperation dauerhaft anfallsfrei werden, was allerdings eine hoch aufwändige Diagnostik in einem spezialisierten Zentrum erfordert.

Neurovaskuläre Erkrankungen beschreiben die Beeinträchtigung von Nervengewebe aufgrund von Schädigungen oder Anomalien der Blutgefässe. Die wichtigste dieser Erkrankungen ist der Schlaganfall aufgrund einer Verengung eines Verschlusses von hirnzuführenden Gefässen (innerhalb oder ausserhalb des Hirns). Je nach Versorgungsgebiet des betroffenen Gefässes, Dauer der gestörten Blutversorgung und dem Vorhandensein etwaiger Umgehungskreisläufe können die Symptome sehr variieren oder sogar fehlen.

Leitsymptome sind plötzliche (Halbseiten)- Schwäche oder Sensibilitätsstörungen bzw. Gesichtsfeldausfälle und Störungen der höheren Hirnfunktionen (z.B. Sprache). Bei Verdacht auf einen Schlaganfall zählt jede Minute und es muss sofort die Rettung (Tel 144) alarmiert werden. Der Patient kann dann in eine spezielle Vorsorgeeinrichtung gebracht werden (sog. Stroke unit), wo man eventuell mit speziellen Verfahren verschlossene Gefässe wieder öffnen kann oder durch Optimierung von Blutdruck, Körpertemperatur, Blutzusammensetzung, etc. das Absterben von Hirngewebe möglichst gering gehalten kann. Eine ambulante Abklärung ist zumeist nicht möglich und bedeutet nur unnötigen Zeitverlust, da eine Bildgebung des Hirns (CT oder MRI) praktisch immer erforderlich ist, um u.a. eine Blutung auszuschliessen.

Auch Hirnblutungen aufgrund des Einrisses eines Gefässes, einer Gefässmissbildung  oder – aussackung zählen zu den neurovaskulären Erkrankungen. Leitsymptome einer Blutung innerhalb des Kopfes im Bereich der Hirnhäute (sog. Subarachnoidalblutung, SAB) ist der plötzliche Vernichtungskopfschmerz (innerhalb von Sekunden, selten Minuten), oft mit nachfolgender Nackensteifigkeit und begleitenden Lähmungen. Auch dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall mit sofortiger Alarmierung der Rettung.

Allerdings kann man auch die Migräne zu den neurovaskulären Erkrankungen im weiteren Sinne zählen, da es im Rahmen der komplexen Abläufe einer Attacke sehr wohl zu Durchblutungsänderungen und praktisch immer reversiblen) neurologischen Symptomen wie Gesichtsfeldausfällen, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen kommen kann. Bei der sog. familiären hemiplegischen Migräne entwicklen sich aufgrund eines Gendefekts Schlaganfall ähnliche Symptome mit zumeist nachfolgenden typischen Kopfschmerzen. Charakteristisch sind hier die Familienanamnese und die gleichförmigen Attacken. Beim ersten Auftreten dieses Krankheitsbildes bei einer Person ist auch bei nur geringem Zweifel wie bei einem Schlaganfall zu verfahren. (Rettung Tel 144).

Schwindel ist eines der häufigsten Symptome mit denen Hausärzte und Neurologen aufgesucht werden. Generell tritt Schwindel auf, wenn Sinneseindrücke, insbesondere Informationen des Gleichgewichtsorgans im Innenohr und Seheindrücke, wahrscheinlich aber auch der Positionssensoren der Halswirbelsäule Informationen senden, die nicht zusammenpassen (typisches Beispiel Seekrankheit oder stark bewegte Bilder in einem Kinosaal). Auch bei einer Störung von Durchblutung, Stoffwechsel oder der elektrischen Abläufe, der für die Informationsverarbeitung zuständigen Region im Hirnstamm kommt es zu Schwindel (z.B. Absinken des Blutzuckerspiegels, starken Blutdruckschwankungen, Schlaganfällen oder nach Alkohol, Drogen bzw. Medikamenteneinnahme). Auch seelische Prozesse, insbesondere Ängste sind häufiger Schwindel-Auslöser.

Durch eine zielgerichtete Erhebung der Krankengeschichte (Drehschwindel, Schwankschwindel, Auslösesituationen, Dauer, Begleitsymptome) und die neurologische Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf Augenbewegungen und Gleichgewicht kann die Ursache des Schwindels oft gut eingegrenzt werden. Je nach Ursache kann die Therapie sehr unterschiedlich sein und aus Lagerungsübungen, Krankengymnastik, Medikamenten oder Psychotherapie bestehen.

Kaufunktionsstörungen, beispielsweise aufgrund von nicht genau aufeinander passenden Oberflächen der Mahlzähne sind primär eine Domäne der Kiefer- und Gesichtschirurgie. Sie können aber u.a. durch Beeinträchtigung des Kiefergelenks und Verspannungen der Kaumuskulatur zu Schmerzen im gesamten Kopfbereich führen. Da ein Teil der Kaumuskulatur auch im Schläfenbereich ansetzt und die Balance der Muskeln im Kopf-, Gesichts- und Nackenbereich gestört werden, kann es hierbei auch zu schmerzhaften Verspannungen im Hinterhauptsbereich oder dumpfen, den ganzen Kopf betreffenden Schmerzen kommen.

Auch im Rahmen anderer neurologischer und psychischer Erkrankungen kann eine erhöhte Muskelspannung im Kiefergelenksbereich teils mit dem Leitsymptom des Zähneknirschens auftreten. In Zusammenarbeit der Fachrichtungen muss dann die Ursache ermittelt werden, deren Therapie von mechanischen Massnahmen wie einer Beißschiene, über Botox bis hin zu psychotherapuetischer Behandlung reichen kann.